Digital Pharma: KI-Projekte bei MSD Deutschland

So funktioniert KI im Bereich Medical Information

Kirsten Horrmann, Managerin Scientific Information bei MSD Deutschland. © MSD
KI erspart Arbeit und macht die Beschäftigten glücklicher
„Mit der KI wird uns ganz viel Dokumentationsarbeit erspart“, sagt Kirsten Horrmann. „Und unsere Mitarbeiter sind viel, viel glücklicher mit dieser Lösung.“ Häufig seien Menschen sehr zurückhaltend und skeptisch, wenn es um den Einsatz von KI geht. Aber hier habe das maschinelle Lernen schnell dafür gesorgt, dass sich alle Teammitglieder auf ihre eigentliche Aufgabe und den Kunden konzentrieren können.„Mit der KI wird uns ganz viel Dokumentationsarbeit erspart.“Konkret heißt das: Die Ärzt:innen, Naturwissenschaftler:innen und Apotheker:innen im Medical Information-Team bei MSD gewinnen Zeit durch die Auslagerung lästiger Administrativ-Tätigkeiten. Dadurch können sie sich noch intensiver auf die Kommunikation mit der Ärztin oder dem Apotheker konzentrieren. „Unsere Mitarbeitenden sind entspannter und das merkt auch der Arzt oder die Ärztin in den Gesprächen“, davon ist die Abteilungsleiterin überzeugt.
Im Oktober wurde die KI installiert, im Dezember der Go-live
Von der Ideenfindung bis zur Umsetzung der KI-Technologie hat es nur wenige Monate gebraucht. In engem Austausch mit dem Unternehmen Salesforce kam vergangenen Sommer der Impuls, mit KI die Dokumentationsarbeit in der Medical Information zu erleichtern. Die Out-of-the-box-Lösung von Salesforce wurde im Oktober 2021 implementiert, trainiert und ging Anfang Dezember live. Die Testphase stoppte Kirsten Horrmann nach ein paar Wochen. Mit veralteten Testdaten zu lernen, brachte die Künstliche Intelligenz – nach Meinung des Teams – nicht weiter. Zwar läuft die Anwendung am Ende immer noch über ein Sicherheitsnetz aus Mitarbeitenden. „Aber anstatt zehn Felder auszufüllen, drücken diese jetzt einfach nur noch auf einen Knopf und bestätigen die Angaben“, erklärt Kirsten Horrmann.Learning: Interne Prozesse teilweise zu aufgebauscht
Als nächsten Schritt ist geplant, eine weitere Abteilung zu involvieren. Dann muss der Algorithmus noch weitere neue Datensätze verarbeiten, bis irgendwann – voraussichtlich im Sommer – der letzte „Knopfdruck“ abgeschaltet werden soll. „So tasten wir uns in der Live-Umgebung Schritt für Schritt an die finale Lösung heran“, sagt die Managerin Scientific Information. Ein großes Learning hat das Team durch die Umstellung bereits mitgenommen: „Unsere internen Prozesse erscheinen uns jetzt teilweise zu aufgebauscht.“ Dass man es gar nicht immer so kompliziert machen müsse, sondern es auch einfacher geht, habe die KI klar gezeigt. Die ersten Feldversuche in dem neuen Anwendungsbereich geht die Abteilung von vornherein agil an. In Slots von vier Wochen werden neue Erkenntnisse direkt eingearbeitet.Start-up-Kooperation für KI-Anwendung im Bereich Onkologie

Jutta Klauer, Associate Director Strategic Digital Partnerships bei MSD Deutschland. © MSD
Zwei Jahre von der Anbietersuche bis zur Umsetzung
Seit Dezember 2021 wird das Projekt an bis zu zehn verschiedenen Studienzentren in Deutschland ausgerollt und die Nutzung der App seitens Ärzt:innen und Patient:innen evaluiert. Anders als bei dem im Bereich Medical Information eingesetzten Algorithmus kann hier nicht auf bereits existierende Datensätze zurückgegriffen werden.„Man muss sich sowohl von Seiten des Unternehmens als auch des Start-ups auf viel Experimentieren und Abstimmen einlassen, bis man die passende Lösung gefunden hat.“Mit dem Wunsch, durch Künstliche Intelligenz bessere Therapieerfolge zu schaffen, begann das Pharmaunternehmen 2020 mit der Suche nach einem geeigneten Anbieter. „Und das ist nicht immer leicht“, sagt Jutta Klauer. „Man muss sich sowohl vonseiten des Unternehmens als auch des Start-ups auf viel Experimentieren und Abstimmen einlassen, bis man die passende Lösung gefunden hat. Es ist ein Herantasten“, sagt die Associate Director Strategic Digital Partnerships. Für Start-ups seien diese langwierigen Prozesse nicht immer nachvollziehbar, mit Kaiku Health® habe das Unternehmen allerdings einen verständigen Partner gefunden. Im Laufe des Jahres rechnet das Projektteam mit ersten Ergebnissen. Wichtig bei der Nutzung von KI sei aber vor allem, „dass man sich einfach mal herantraut“, um die Gesundheitsversorgung zu verbessern oder Prozesse einfacher zu machen. Da sind sich die beiden Mitarbeiterinnen einig. „Auch dann, wenn am Anfang nicht klar ist, wie groß der Nutzen am Ende ist.“